Emissionsarmer Breitbandausbau: Pilotprojekt zeigt klimafreundliche Gigabit-Infrastruktur 

Ergebnisse aus dem Pilotprojekt von Axians und GasLINE.

Digitalisierung und Nachhaltigkeit müssen kein Widerspruch sein. Axians und GasLINE haben im Rahmen einer LWL-Backbone-Trasse zwei Baustellenszenarien miteinander verglichen: eine konventionelle Baustelle (Dieselbetrieb von Baumaschinen und Fahrzeugen) und eine emissionsarme, elektrifizierte Baustelle. Die Energieverbräuche wurden regelmäßig erfasst, die Energiequellen (insbesondere „grauer“ vs. „grüner“ Strom) analysiert und daraus die CO2-Emissionen für die jeweiligen Szenarien berechnet. 

Das Ergebnis: ca. 40 % CO2-Reduktion bei Nutzung von grauem Strom und bis zu 100 % Reduktion bei ausschließlicher Nutzung von Ökostrom. Damit zeigt der Praxistest, dass sich der Gigabit-Ausbau mit elektrifizierten Baumaschinen signifikant klimaverträglicher umsetzen lässt. 

Warum verursacht der Breitbandausbau bislang viele Emissionen? 

Der Ausbau von Breitbandinfrastruktur ist traditionell eine ressourcenintensive Angelegenheit. Insbesondere die Bauphase – das Verlegen von Leerrohren und Glasfaserkabeln – erfolgt meist mithilfe dieselbetriebener Baumaschinen, Lkw und Baugeräten. Diese konventionellen Baustellen erzeugen erhebliche CO2-Emissionen sowie Schadstoffe und Lärm. Das Umweltbundesamt weist Baumaschinen seit Jahren als bedeutende Quelle für Feinstaub- und Stickoxid-Emissionen aus, insbesondere in Städten. Zusätzlich führen Baustellen oft zu Verkehrsbehinderungen, was den Treibhausgasausstoß durch Staus und Umwege weiter erhöht. Die Folge: Eine hohe Emissionsbelastung und geringere Akzeptanz solcher Bauprojekte in der Bevölkerung. 

Ein Großteil dieser klimaunverträglichen Auswirkungen fällt in der Telekommunikationsbranche in die sogenannte Scope 3-Kategorie, also Emissionen entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette, die nicht direkt vom Netzbetreiber selbst, sondern von beauftragten Dienstleistern verursacht werden. Gerade hier liegt großes Einsparpotenzial. Dieselbetriebene Baumaschinen gelten als einer der wichtigsten Hebel, um die CO2-Bilanz im Breitbandausbau zu verbessern. Nachhaltigkeitsorientierte Telekommunikationsinfrastruktur-Partner wie GasLINE und Axians haben daher begonnen, neue Konzepte für den Tiefbau zu entwickeln, mit dem Ziel, Emissionen so weit wie möglich zu vermeiden oder zu kompensieren. 

Wie sieht eine emissionsarme Breitband-Baustelle in der Praxis aus? 

Grundprinzipien einer emissionsarmen Baustelle 

Emissionsarme Baustellen verfolgen das Ziel, Bauprozesse so zu organisieren, dass während der Bauphase möglichst wenig CO2, Luftschadstoffe und Lärm entstehen. Dafür kommen mehrere Maßnahmen gleichzeitig zum Einsatz: 

  1. Elektrische oder emissionsfreie Baumaschinen 
    Elektrische Baumaschinen arbeiten deutlich leiser und verursachen keine lokalen Abgasemissionen. Dazu gehören u. a. elektrische Bagger, Radlader, Transportfahrzeuge und akkubetriebene Werkzeuge. 
  1. Optimierte Energie- und Ladeorganisation 
    Statt Dieseltanks und Generatoren braucht eine umweltfreundliche Baustelle eine planbare Stromversorgung. Das umfasst z. B. Baustromanschlüsse, modulare Batteriespeicher, Ladepunkte und intelligente Lastplanung. 
  1. Digitale Unterstützung und Monitoring 
    GIS (Geografische Informationssysteme)-basierte Planung, digitale Dokumentation und Analyse sowie vernetzte Maschinen helfen, Energie- und Maschinenverbräuche zu überwachen, ineffiziente Abläufe zu reduzieren und Emissionen präzise nachzuweisen. 
  1. Ressourcenschonende Bauweisen 
    Optimierte Logistik, der Einsatz von oberflächenschonenden Verfahren und die Reduktion von Transportwegen tragen ebenfalls zu einer besseren CO2-Bilanz bei. 

Praxisbeispiel: Die emissionsarme Baustelle von Axians und GasLINE 

Im Pilotprojekt von Axians und GasLINE wurden erstmals sämtliche Baumaschinen elektrisch betrieben. Konkret kamen vollelektrische Lkw für den Materialtransport, E-Bagger und elektrisch betriebene Verdichtungsgeräte zum Einsatz. Ergänzt wurde die Maschinenflotte durch akkubetriebene Werkzeuge und digitale Baustellentools. 

Für den durchgehend elektrischen Baustellenbetrieb wurden die eingesetzten Maschinen und Werkzeuge so organisiert, dass ihre Energiebedarfe planbar und kontinuierlich gedeckt werden konnten. Die elektrische Bauweise machte es möglich, den gesamten Energieeinsatz präzise zu erfassen und im Rahmen des Projekts systematisch auszuwerten. Diese Transparenz war ein zentraler Vorteil des Pilotprojekts, denn sie bildete die Grundlage für das CO2-Monitoring und die später nachgewiesenen Einsparungen gegenüber einer dieselbetriebenen Referenzbaustelle.

Projektvideo:

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Zusätzlich kamen digitale Lösungen zum Einsatz, um die Effizienz und Nachhaltigkeit zu steigern. So wurde die Trassenplanung GIS-gestützt digital durchgeführt und die Baudokumentation digital erfasst. Sensorik und Monitoring ermöglichten es, alle relevanten Betriebsdaten aufzuzeichnen. Diese datenbasierte Bauweise bildet die Grundlage, um Emissionen präzise zu messen und Optimierungspotenziale in Echtzeit zu erkennen. Insgesamt entstand so ein nahezu emissionsfreier, lärmarmer und digital gesteuerter Baustellenbetrieb. 
 
Entlang der LWL-Backbone-Trasse wurden im Pilotprojekt Kabelschächte und Leerrohre gesetzt, die anschließend als Duckspace/Dark Fiber an Netzbetreiber vermietet werden. Das Glasfaserkabel selbst wird später eingezogen, wofür die Baugrube erneut geöffnet wird. 

Wie viel CO2 lässt sich durch E-Baustellen einsparen? 

Die zentrale Frage: Lohnt sich der Aufwand aus klimatischer Sicht? 
Im Pilotprojekt wurden zwei Baustellen direkt miteinander verglichen: eine konventionelle Bauweise mit dieselbetriebenen Baumaschinen und eine vollelektrische Baustelle. Die Emissionen wurden als sogenannte CO2-Äquivalente (CO2e) gemessen. Das bedeutet: Alle klimarelevanten Emissionen werden in einen einheitlichen Wert umgerechnet, um die Klimawirkung vergleichbar zu machen. 

Das Ergebnis: 

  • Auf der Referenz-Baustelle mit Dieselmaschinen fielen rund 126 kg CO2eq an. 
  • Die elektrische Bauweise verursachte unter vergleichbaren Bedingungen nur etwa 77 kg CO2eq – das entspricht einer Reduktion von 40 %. 
  • Wurde vollständig auf Ökostrom gesetzt, sank der ermittelte Wert auf 0 kg CO2eq. 

Mit anderen Worten: Eine zu 100 % grüne Baustelle im Breitbandausbau ist technisch möglich – vorausgesetzt, alle Maschinen werden elektrisch betrieben und ausschließlich mit Ökostrom versorgt. 

Die Datengrundlage für diese Berechnungen stammt aus einem detaillierten CO2-Monitoring, das Axians gemeinsam mit der Schwestermarke Omexom, der Marke für Energieinfrastrukturen von VINCI Energies, durchgeführt hat. Zum Einsatz kam dabei das Analyseverfahren Decarbo:tec, mit dem alle Energieverbräuche und Emissionsquellen systematisch erfasst und ausgewertet wurden. Einbezogen wurden nicht nur direkte Abgasemissionen der Baumaschinen, sondern auch vorgelagerte Faktoren wie die Emissionen für Stromerzeugung (grauer vs. grüner Strom) und weitere indirekte Effekte entlang der Wertschöpfungskette. 

Welche Vorteile bringt eine leise, saubere Baustelle für Kommunen und Anwohnende? 

Nicht nur das Klima profitiert von einem emissionsarmen Netzausbau, auch die Lebensqualität rund um die Baustelle verbessert sich spürbar. Elektrische Baumaschinen arbeiten praktisch geräuschlos im Vergleich zu dröhnenden Dieselaggregaten. Kommunale Erfahrungsberichte und Veröffentlichungen von Agora Verkehrswende deuten darauf hin, dass lärmärmere Baustellen im Vergleich zu konventionellen dieselbetriebenen Projekten auf erheblich höhere Akzeptanz stoßen, denn für Anwohnende bedeutet dies: weniger Lärmbelästigung, gerade bei längeren Bauphasen oder Arbeiten in der Nähe von Wohngebieten. Ebenso fallen lokal keine Abgase an, was die Luftqualität schont und Gesundheitsrisiken durch Feinstaub und Stickoxide (NOx)  verringert. Das Umweltbundesamt bestätigt, dass das Wegfallen von NOx- und Feinstaubspitzen an Bauorten die lokale Luftqualität verbessert. 

Elektrischer Bagger und Bauarbeiter mit Schutzhelm beim emissionsarmen Breitbandausbau.

Auch für Kommunen und Städte ergeben sich Vorteile. Die öffentliche Wahrnehmung von Breitbandprojekten verbessert sich, wenn diese umweltverträglich umgesetzt werden. Das kann Genehmigungsprozesse erleichtern und die Zusammenarbeit zwischen Netzbetreibern und Kommunen stärken. Zudem senden klimafreundliche Bauprojekte ein positives Signal: Städte und Gemeinden zeigen, dass Digitalisierung und Klimaschutz Hand in Hand gehen können. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Nachhaltigkeitskriterien vermehrt in Ausschreibungen und Förderprogramme einfließen.

Wer als Netzbetreiber emissionsarme Verfahren vorweisen kann, hat bei entsprechenden Ausschreibungen künftig bessere Karten. Langfristig könnten leise, abgasfreie Baustellen zum neuen Standard werden – zur Freude von Bürger:innen und Lokalpolitik gleichermaßen. 

Welche Herausforderungen gibt es bei elektrifizierten Baustellen? 

Trotz der erreichten Umweltvorteile stehen E-Baustellen derzeit noch vor einigen Hürden. Eine der größten ist der ökonomische Aspekt. Derzeit sind Anschaffung und Bereitstellung elektrischer Baufahrzeuge noch teurer als bei ihren dieselbetriebenen Pendants. So kostet ein E-Lkw für den Baustelleneinsatz derzeit etwa das 2,8-fache eines konventionellen Lkw, ein Elektrobagger rund das 1,6-fache und selbst elektrische Pkw, etwa für Baustellenleitung oder Logistik, liegen mit dem etwa 1,3-fachen Anschaffungspreis noch spürbar über den Kosten vergleichbarer Verbrennerfahrzeuge. Ähnliche Kostenspannen werden auch in Branchenreports des VDMA aufgegriffen, die höhere Investitionskosten elektrischer Baumaschinen bestätigen. Hinzu kommt die Frage der Ladeinfrastruktur: Ohne ein durchdachtes Energiekonzept können Standzeiten zum Laden und mangelnde Stromanschlüsse auf grüner Wiese zum Problem werden. Kurzum, die Investitionskosten und Planungsaufwände sind aktuell höher, was bei vielen Projekten noch abschreckend wirkt. 

Allerdings relativieren sich die Nachteile über den Lebenszyklus betrachtet. Elektrische Maschinen verursachen weniger Wartungsaufwand (kein Ölwechsel, weniger bewegliche Teile) und haben keinen Kraftstoffverbrauch, was Betriebskosten senken kann. Im Pilotprojekt zeigte sich etwa, dass trotz höherer Initialkosten die Partner langfristig Vorteile sehen, durch geringere Wartung, weniger Ausfallzeiten und die bereits erwähnten Pluspunkte bei Ausschreibungen. Mit steigender Nachfrage und technologischem Fortschritt ist außerdem zu erwarten, dass die Preise für E-Baumaschinen sinken werden. Weitere Herausforderung bleibt die begrenzte Verfügbarkeit mancher schwerer E-Fahrzeuge und Akkus mit ausreichend Kapazität, doch auch hier entwickelt sich der Markt rasant. Insgesamt gilt: Die Pionierprojekte ebnen den Weg, aber bis zum flächendeckenden Einsatz emissionsfreier Baustellen sind noch Anstrengungen nötig. 

Sind emissionsarme Baustellen die Zukunft des Netzausbaus? 

Mehrere Institutionen – darunter UBA, dena, VDMA und Forschungseinrichtungen wie die TU München – sehen in der Elektrifizierung des Bauwesens einen zentralen Hebel für klimafreundliche Infrastrukturentwicklung. Die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt von Axians und GasLINE senden ein klares Signal in die Branche: Ja, es geht! Breitbandausbau lässt sich deutlich klimafreundlicher gestalten, ohne auf Effektivität verzichten zu müssen. Die vollelektrische Baustelle lieferte nicht nur wertvolle Umweltkennzahlen, sondern eröffnete neue Perspektiven für einen flächendeckenden emissionsarmen Ausbau der Gigabit-Infrastruktur. Axians plant, die gewonnenen Erkenntnisse als Grundlage für künftige Infrastrukturprojekte zu nutzen. Das Konzept einer elektrischen Baumaschinenflotte könnte zur Dekarbonisierung von Bauprozessen in vielen Bereichen beitragen, nicht nur im Glasfaserausbau, sondern ebenso bei kommunalen Bauvorhaben oder Industrieprojekten. Wichtig ist dabei die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten: Solche Partnerschaften – wie die zwischen Axians und GasLINE – sind der Schlüssel, um echte Veränderungen anzustoßen. Wenn Netzbetreiber, Kommunen und Technologieanbieter gemeinsam an einem Strang ziehen, lässt sich die Infrastruktur von morgen nachhaltig und zukunftssicher gestalten. 

Emissionsarmer Breitbandausbau: Pilotprojekt von Axians und GasLINE: Drei Mitarbeitende in PSA und elektrischem Bagger, Tiefschacht für Glasfaser, Breitbandausbau. Im Hintergrund Absperrungen und Banner von Axians Deutschland.
Emissionsarmer Breitbandausbau: Pilotprojekt von Axians und GasLINE

Ein Blick über den Tellerrand zeigt, dass das Axians/GasLINE-Projekt Teil eines wachsenden Trends ist. Auch in anderen Bauprojekten in Deutschland wird der emissionsfreie Baustellenbetrieb erprobt, etwa beim Rückbau auf dem Siemens-Campus in Erlangen, wo elektrische Lkw, E-Bagger und akkubetriebene Abbruchroboter eine Baustelle ohne Abgase und Lärm ermöglichen. Ebenso testet man in Buchholz (Nordheide) beim Ausbau einer Wasserstoff-Pipeline eine vollständig elektrische Baustelle in der Praxis. Solche Beispiele unterstreichen: Die Baubranche und speziell der Tiefbau für Telekommunikation steht an der Schwelle zu einem Paradigmenwechsel. Klimaschutz und Infrastrukturentwicklung gehen künftig Hand in Hand. 

Nicht zuletzt verlangen nationale und internationale Klimaziele nach innovativen Lösungen in allen Sektoren. Der Breitbandausbau als fundamentale Investition in die Zukunft darf davon nicht ausgenommen sein. Emissionsarme Baustellen zeigen einen gangbaren Weg auf, um den Spagat zwischen Digitalisierung und Klimaschutz zu meistern. Je mehr Best Practices veröffentlicht und branchenweit geteilt werden, desto schneller kann die Lernkurve steigen. In diesem Sinne markiert das Pilotprojekt von Axians und GasLINE einen wichtigen Schritt nach vorn. Es beweist in der Praxis, dass grüner Breitbandausbau machbar ist und liefert einen Bauplan, dem in den kommenden Jahren viele folgen könnten. Die Gigabit-Infrastruktur von morgen soll nicht nur leistungsfähig, sondern auch nachhaltig sein. Emissionsarme Baustellen werden dabei eine entscheidende Rolle spielen.

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Pressemitteilung: Axians und GasLINE schließen Pilotprojekt für emissionsarme Gigabit-Infrastruktur ab

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